Stilfragen

17 Oktober 2006
Spontan ist besser…
Spontan. So halten wir es nicht nur mit allem Kulinarischem, Klingendem und Kleidendem, und, inzwischen gelernt, auch mit anderen Dingen der ganz persönlichen Lebensgestaltung.

So heute als Links bei Freiheit, Markt und Recht.
Auch die Analyse zu Stil und Benehmen im selben Blog ist ein Genuß.

In memoriam Stil und Form
Etikette haben in „der“ (welcher eigentlich?) Öffentlichkeit scheinbar ihren Eigenwert verloren. Formen, die nicht durch ihre bloße Praxis anerkannt werden, gelten nicht; sie sind un-gültig. Ungültiges aber ist wertlos, und Wertloses nun mal unbrauchbar und ganz untauglich als Wechsel auf den Respekt meines Gegenübers. Unaufmerksamkeit (z.B. Nichtbeantworten von E-Mails), Nicht-Benehmen (z.B. nicht ausreden lassen, unpünktlich sein), Un-Stil (z.B. miserabel essen), Unhöflichkeit (z.B. Chauvinismen), bewusst-süffisantes Regelbrechen (z.B. „vollhauen“ am Buffet) bis hin zur Machtdemonstration oder offenen Aggression (z.B. Drängeln auf der Autobahn) ist inzwischen nicht nur weitgehend kostenfrei, sondern wird nachgerade belohnt (z.B. Küblböck) oder, in dialektischer Umwertung aller Werte, selbst zur Anti-Etikette erhoben (z.B. die gespielte Bescheidenheit gänzlich Unbescheidener oder noch beängstigender: die ungeschickte Unbescheidenheit an sich Bescheidener). Doch wo Respekt fehlt, verfallen die Gelegenheiten, die Möglichkeiten des Austausches, die Chance auf den Abschluss.

Fazit: Auf „Umgangsformen“ zu verzichten und ihre „Ungültigkeit“ zu behaupten, heißt: Kosten verursachen, die Kosten vertaner Chancen. Wenn schon nicht für sich, so doch immer für andere. Kosten sind negatives Kapital: Wer sich nicht zu benehmen weiß, betreibt eine Art Kapitalvernichtung oder zeigt, dass er bereits arm ist. Ein unfreies und verunsichertes Gemeinwesen, das Unfreiheiten und Verunsicherungen einfach hinnimmt, statt sie zu bekämpfen, offenbart mit dieser Unmeisterschaft, wie es um seine Liberalität bestimmt ist. Sich jedoch nicht benehmen zu wollen, schränkt die Freiheit Anderer insofern massiv ein, als diesem jene Verlässlichkeiten genommen werden, die regelgeleitetes Verhalten nun mal bietet. Wer hier nicht gegensteuert, bei sich beginnt und notfalls andere daran gegebenenfalls auch mit Nachdruck daran erinnert, nimmt sich ‘Freiheiten’, die ihm nicht zustehen. Er macht sich selbst zum Totengräber von Freiheit und arbeitet (wieder) all jenen in die Hände, die sich sogar staatliche Belange erst zu ihrem fragwürdigen Spielfeld gemacht haben und sie schließlich zwanghaft okkupieren.

Wenn jemand Lust hat den ganzen Text zu lesen oder auch in anderen anregenden Denkanstößen zu stöbern, dann ist ein Besuch dieses Blogs immer eine gute Sache. Zu erreichen über Liberal Talk oder für ganz eilige gleich hier:
http://bodowuensch.blogspot.com/

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